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Fotograf

Lothar Arnemann, 1972, Hamburg. Halb Werbetexter, halb Fotograf, hier Urlauber.

 

Eskalation eines Hobbys

„Jetzt fangen wir erst an, zu verkaufen“ sagte breit grinsend der Mann hinterm Tresen des Fotofachgeschäfts. 2010 war das. Ich hatte gerade meine erste digitale Spiegelreflex-Kamera (DSLR) mit Objektiv gekauft und beim einpacken behauptet, ich hätte ja dann alles: eine Nikon D5100 mit 18-105 mm-Objektiv und eine Tasche. Ich hatte ja keine Ahnung. Drei weitere Kameras später ist mir das Ausmaß meiner Naivität klar. Auch dank der diversen Objektive, die ich gekauft und teilweise wieder verkauft habe. Schweigen wir über die Taschen, Rücksäche, Stative, Kameragurte, Akkus, Speicherkarten, Blitzgeräte, Funkauslöser, Lampenstative und Lichtformer. Ob ich das alles brauche? Mir doch egal. Fragt doch den grinsenden Mann hinterm Tresen des Fotofachgeschäfts, Peter. Wir duzen uns inzwischen.

 

Lidl lohnt sich

Sachen haben ist das eine, Ahnung davon das andere, und dabei ist die Kamera das kleinste Problem. Die Kunst ist der Umgang mit dem Licht. Das lernte ich beim Fotografieren für Lidl, deren Nonfood-Produkte die Agentur, in der ich arbeite, verpackt. Ich weiß schon nicht mehr, wie es dazu kam, aber es wurde immer mehr und inzwischen macht es locker ein Drittel meiner Arbeitszeit aus. Zugegeben, es gibt Aufregenderes als Hornhauthobel, Laminiergeräte oder Badewannenspielzeug zu fotografieren, aber ich finde es besser, als nicht zu fotografieren. Und ehrlich gesagt erwische ich mich bisweilen dabei, dass ich ein Foto von einer Holzeisenbahn schön finde.

Nüchtern betrachtet

Noch lieber als Zeug fotografiere ich allerdings Menschen. Portraits. Schon weil der Mensch das einzige Motiv ist, mit dem man sprechen kann und das sich hinterher (anders als die Holzeisenbahn) über ein gelungenes Foto freut. Wenn viele Menschen zusammen kommen, ist es ein Event, und die habe ich schon häufiger auch für Geld geknipst. Auf Partys kann das ja jeder üben, und wenn das klappt, kann man es im Auftrag erst Recht. Weil: nüchtern. Leider ist ein Event viel Arbeit. Idealerweise kuckt man sich vorher die Location an, damit man auch das richtige Zeig mitbringt. Das schleppt man dann hin, verbringt den Abend an der Kamera und schleppt alles wieder nach Hause. Da sichtet man erstmal ca. 2000 Fotos und dann nochmal und nochmal bis die besten 200 übrig sind. Die müssen dann entwickelt werden (Kontrast anziehen, Zuschnitt optimieren, aufhell/abdunkeln us.w., vielleicht entrauschen und in JPGs umwandeln). Zum Schluss noch das Best of in einer Dropbox hochladen und dazu ne nette E-Mail schreiben. Das dauert alles, denn natürlich verbietet mir mein kreativer Ehrgeiz, quick and dirty zu arbeiten.

Spaß aber Arbeit

Gratis möchte ich übrigens auch nicht arbeiten. Ich verlange keine Profi-Gagen, weil ich keiner bin. Aber ich kann nicht nichts, und außerdem geht es mir um Wertschätzung für kreative Arbeit. Zuviele denken, dass ich ja nur auf einen Knopf drücke. Und diese Ignoranz wird noch bestärkt von jedem Kreativen, der seine Leistung verschenkt. Fun-Fact dazu: Der Kreative wird so auch nicht glücklich, denn wer einen Gratis-Fotografen nimmt, weiß Qualität nicht zu schätzen und wird sie auch nicht anerkennen, wenn er sie kriegt. Weil er sie nicht erkennt. Nein, da ruht kein Segen drauf.

Wenn ich groß bin

Auch wenn ich nichts verschenke: Wenn ich einen Job mache, kann den ein professioneller Fotograf nicht mehr machen. Das ist natürlich ein Problem für die Branche, ein großes sogar, und ich bin ein Teil davon. Ich stehe mir also selbst im Weg, falls ich mal Profi werden will. Verrückt. Trotzdem denke ich gelegentlich darüber nach. Dann informiere ich mich aber und verwerfe den Gedanken wieder. Aber wer weiß. Vielleicht vergesse ich ja mal, mich zu informieren und mach’s dann einfach.

 

P.S: „Lothar, Dein Vater ist Noootar.“ war ein Spruch, der mich durch meine Jugend begleitete. Logisch, dass irgendwann auch das Lotariat dazu kam. Ein amtlicher Seitenname.